Ambulant und schlagkräftig

Am Anfang stand eine eher zufällige Begegnung in der Stallgasse des Harburger Reitvereins: Dort kamen Dr. Manfred Giensch, Chirurg am AK Harburg, und Dr. Hanns-Michael Englert, Chirurg am Krankenhaus St. Georg, ins Gespräch die Idee einer gemeinsamen Praxis für ambulante Chirurgie war geboren. 30 Jahre ist das her. Englert ist seit 2001 im Ruhestand er hat das Skalpell gegen den Golfschläger getauscht, wie seine Ex-Kollegen augenzwinkernd sagen. Bis heute aktiv ist jedoch Giensch, der vor Energie sprüht und mit Dr. Elmar Schäfer und Dr. Matthias Kemnitz zwei versierte Partner an der Seite hat, die für die medizinischen Leistungen des mittlerweile entstandenen Dreierverbunds (OP-Zentrum, Allgemeine chirurgische Praxis und Enddarm-Zentrum) im Gesundheitszentrum Harburg stehen.

Für die zunächst kleine Praxis mit zwei Chirurgen und vier Mitarbeiterinnen baute der Harburger Architekt Günther Stein Ende der 70er-Jahre ein maßgeschneidertes Geschäftshaus an der Amalienstraße in Harburg. Ein altes Harburger Haus wurde abgerissen, ein Neubau entstand. Mieter waren Giensch und Englert, aber auch das italienische Restaurant San Remo. Damit war schon mal die Frage des Mittagstisches geklärt.

Während sich Giensch zunächst auf die Unfallchirurgie konzentrierte, baute Englert in enger Kooperation mit dem Krankenhaus Mariahilf (heute eine Helios-Klinik) die Handchirurgie auf. Beide begründeten den Erfolg und den guten Namen der Praxis. 1986 kam Schäfer als dritter Chirurg hinzu. Giensch: „Als wir bei täglich 20 Stunden angekommen waren, ging es zu zweit nicht mehr weiter.“ Das Enddarm-Zentrum wurde Anfang der 90er-Jahre gegründet. 2003 dann der nächste Schritt: Planungsstart für das Gesundheitszentrum Am Wall. Seit 2005 ist die chirurgische Praxis dort im Verbund mit vielen weiteren Disziplinen angesiedelt und beschäftigt mittlerweile sieben Ärzte, 30 Angestellte und sechs Azubis. Schäfer: „Wir haben bereits mehr als 150 Arzthelferinnen ausgebildet.“

2005 wurde Giensch zum Mannschaftsarzt der deutschen Springreiter-Equipe berufen. Er begleitete die Reiter 2006 zur Weltmeisterschaft in Aachen und bereitete das Team auch für die Olympischen Spiele in China vor, war selbstverständlich auch vor Ort. Der jüngste Kollege im Team, der Knie- und Schulter-Spezialist Matthias Kemnitz (ehemals Mariahilf), kam da 2008 gerade recht. Der Unfallchirurg machte als eine der ersten Aktionen die holländische Vielseitigkeitsreiterin Madeleine Brüggemann, die in England vom Pferd gestürzt war, wieder fit. Auch Heinrich Engemann, heute Vize-Bundestrainer der Springreiter, kam unters Messer und wurde von Kemnitz nach einem Sturz (sieben Wochen vor Olympia) mikro-invasiv an der Schulter operiert, sodass er mit nach Hongkong reisen konnte. Hier profitieren die Reiter auch von der optimalen Kooperation mit der Helios-Klinik Mariahilf in Heimfeld.

Heute findet im Hotel Lindtner aus Anlass des Geburtstags ein unfallchirurgischer-orthopädischer Workshop statt, zu dem Giensch, Schäfer und Kemnitz die führenden Fachleute aus ganz Deutschland eingeladen haben. Den Abschluss bildet ein festlicher Abend mit 300 Gästen.

Wolfgang Becker – Harburger Anzeigen und Nachrichten

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