Operationen ohne Klinikaufenthalt

Steht eine Operation an, ist der Gang ins Krankenhaus oft überflüssig. Denn niedergelassene Fachärzte können heutzutage viele Eingriffe ebenso vornehmen wie ihre Klinik-Kollegen. Doch vielfach ist das nicht gängige Praxis: „Diagnose und ab ins Krankenhaus“, heißt es. Die hohen Kosten hat dann die Solidargemeinschaft der Versicherten zu tragen, beispielsweise durch höhere Kassenbeiträge. Um solche Strukturen aufzubrechen, haben das Praxisnetz Süderelbe (PNS), ein Zusammenschluß von 84 Harburger Ärzten, und die Betriebskrankenkassen (BKK) gestern im Gesundheitszentrum Harburg einen innovativen Vertrag zur „Patientenversorgung aus einem Guß“ unterzeichnet. 

Dessen Ziel ist es, daß künftig weit mehr allgemeinchirurgische, urologische und nephrologische Operationen sowie HNO-Eingriffe ambulant statt stationär vorgenommen werden oder aber mit einer Nachsorge von nur einem Tag in einer Klinik, sofern es therapeutisch sinnvoll ist. „Die Patienten im Süderelbe-Raum sollen durch ein verzahntes Zusammenwirken von Haus- und Facharztgruppen besser versorgt werden“, erklärte Hans-Otto Schurwanz, Vorstand des BKK-Landesverbands Nord. So könnten Arbeitsunfähigkeits-, Behandlungs- und Nachsorgezeiten verkürzt sowie Doppeldiagnostik vermieden werden. Weitere Vorteile: „Patienten können schnell wieder nach Hause und müssen zum Beispiel keine Krankenhaus-Zuzahlungen leisten. Vor allem werden sie im PNS sektorenübergreifend und qualitätsgesichert versorgt“, so Schurwanz. 

Der PNS-Vorsitzende Dr. André von Froreich betonte: „Die Reduktion stationärer Fallzahlen bei insgesamt 75 verschiedenen Eingriffen zugunsten ambulanter Operationen nützt Patienten, Krankenkassen und Operateuren.“ 

Für die BKK-Versicherten ist die Teilnahme freiwillig. Wenn der Hausarzt eine Operation für angebracht hält, informiert er den Patienten über die Möglichkeit eines ambulanten Eingriffs. Beim Operateur wird der Patient über die Leistungen und deren Qualitätsstandards aufgeklärt und kann die Teilnahmeerklärung für dieses Behandlungsprogramm abgeben. Die OP erfolgt durch den vertrauten Arzt in Wohnortnähe. Zum Umfang der Integrationsversorgung gehören auch für den Patienten zuzahlungsfreie Arznei- und Hilfsmittel sowie zum Teil auch physiotherapeutische Leistungen. 

Entscheidende Bedeutung kommt den Hausärzten als „Zuweiser“ zu. Daher ist der Hausärztekreis Süderelbe in das Konzept mit eingebunden. 

Weitere Informationen sind in der PNS-Geschäftsstelle, Großmoorkehre 4, 21079 Hamburg erhältlich. Telefon: 0 40/85 10 21 43, Fax: 0 40/85 10 21 44.

Claudius Ossig – Harburger Anzeigen und Nachrichten

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