Der „Medizinmann“ kommt aus Harburg

Harburg. Der Harburger Chirurg Dr. Manfred Giensch ist bereits gestern zu den Weltreiterspielen in die USA geflogen. Giensch ist der Mannschaftsarzt der deutschen Equipe, zuständig für alle deutschen Starter und den gesamten WM-Tross einschließlich aller Funktionäre, Tierpfleger, Tierärzte und so weiter.

„Insgesamt sind das etwa 250 Personen“, so Giensch. Er hatte die deutsche Mannschaft bereits bei den Weltreiterspielen in Aachen 2006, bei den Olympischen Spielen 2008 sowie bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr medizinisch betreut.

Im April war Giensch schon einmal nach Kentucky gereist, um sich die Bedingungen vor Ort genau anzuschauen: die „Hardware“ sozusagen, die Kliniken und Krankenhäuser, die medizinischen Einrichtungen direkt am „Horsepark“. Medikamente und Instrumente werden dagegen mitgenommen. Außerdem immer am (Medizin)-Mann: die Verbots- beziehungsweise Erlaubnisliste für Medikamente, damit niemand in die Dopingfalle tappt. „Trotzdem rufe ich oft bei der NADA an, um mich abzusichern, dass ein bestimmtes Präparat erlaubt ist“, so der erfahrene Bauch- und Unfallchirurg, in dessen Harburger Gesundheitszentrum sich schon viele Weltstars der Reiterszene „unters Messer“ gelegt haben.

Auch die Athleten werden von Manfred Giensch laufend über die Gefahren bestimmter Medikamente informiert. Selbst ein an sich harmloses Mittel gegen Erkältung könne beispielsweise zu einem positiven Dopingbefund führen: „Ich warne die Athleten immer vor einer Einnahme ohne Rückversicherung und besonders vor Nahrungsergänzungsmitteln. Da weiß man nie, was drin steckt.“

Weltreiterspiele sind für das medizinische Personal stets eine besonders anstrengende Sache, weil ja deutlich mehr Disziplinen an den Start gehen als zum Beispiel bei Einzel-Championaten oder Olympischen Spielen. In Kentucky ist das deutsche Team in acht Sparten vertreten. Dabei sind auch Behindertensportler, die eine besondere medizinische Betreuung benötigen. „Mein Handy ist rund um die Uhr angestellt“, sagte Giensch den HAN gestern vor seiner Abreise. Meistens gehe es glücklicherweise nur um Halsschmerzen, leichte Verletzungen oder einen „Schnöf“. Der Harburger macht den Job gern: „So bleibe ich auch in den alltäglichen Sachen fit.“

Selbst einst ein erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter und Mitbesitzer von „Fantasia“, zweites Toppferd von Andreas Dibowski, schlägt des Mediziners Herz bei den Vielseitigkeitsprüfungen am heftigsten. „Es wäre toll, wenn die deutsche Mannschaft ganz vorn mit dabei ist“, wünscht sich Giensch: „Man muss aber auch die Engländer und die Amerikaner auf dem Zettel haben. Da weiß man nie, mit welchen Toppferden sie plötzlich ankommen. Die US-Leute hätten uns auch ,Fantasia’ sehr gern abgekauft . . .“

Sabine Lepél – Harburger Anzeigen und Nachrichten

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